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Allgemeines über Meerschweinchen
Meerschweinchen kommen ursprünglich aus den grasbewachsenen Hochebenen Mittel- und Südamerikas. Sie wurden vor ca. 3000 Jahren in Peru domestiert und dienen dort auch heute noch als Delikatesse. Seefahrer brachten diese sehr sozialen Tiere nach Europa. Man vermutet, dass es Holländer waren, die erstmals die Tiere im Haus hielten. Der Name „Guinea pig“ wird vermutlich aus dem damaligen Zahlungsmittel der Holländer „Guinee“ und dem Gequieke, was dem schweinischen Quieken sehr ähnelt, zusammengesetzt.
Meerschweinchen sind Rudeltiere und sollten nie alleine gehalten werden. Die beste Konstellation soll eine Gruppe von 2-3 Weibchen und ein Kastrat bilden. Der Kastrat sorgt oft für Ruhe in der Truppe. Auch eine reine Weibertruppe kann man halten, wobei es dann auch manchmal zu Zickereien kommen kann, die aber in der Regel harmlos sind. Auch eine reine Böckchenhaltung ist möglich. Dabei sollte man aber darauf achten, dass sie weder weiblichen Geruch- noch Sichtkontakt haben, da sie sich sonst um die Weibchen streiten.
Meerschweinchen brauchen eine große Fläche. Die handelsüblichen Käfige sind oft leider viel zu klein. Man sagt, dass man für 2 Meerschweinchen eine Mindestgehegegröße von 1 m² braucht. Für jedes weitere Schweinchen 0,5 m² mehr. Bei reiner Böckchenhaltung sollte der Bau sehr viel größer sein, damit die Tiere sich noch mehr aus dem Weg gehen können.
Man muss die Tiere gut beobachten. Wenn sie Durchfall bekommen, oder nicht richtig fressen wollen, muss man schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen. Durch den schnellen Stoffwechsel der Meerschweinchen bauen sie schnell körperlich ab. Wartet man lange, weil man den Zustand als nicht bedenklich empfindet, kann es schnell zu spät sein und oft kann der Tierarzt dann nicht mehr helfen.
Das wöchentliche Wiegen kann schon viel über den Gesundheitszustand eines Meerschweinchen sagen. Nimmt es viel ab, sollte man das Tier durch einen Tierarzt untersuchen lassen. Zahnfehlstellungen, die das Meerschweinchen am richtigen Fressen hindern, oder Abzesse im Mundraum sind nicht selten dafür verantwortlich. Aber auch Blähungen und Verdauungsstörungen können zum Tod des Tieres führen, wenn man nicht handelt.
Das Futter
Meerschweinchen sollten nahezu getreidefrei ernährt werden. Handelsübliche Trockenfuttersorten mit viel buntem, gefärbten Inhalten sind meist eher schädlich als gesund. Wir füttern Cavia Corn. Das ist zwar nicht 100 % getreidefrei, aber es enthält wichtiges Vitamin C, was Meerschweinchen nicht alleine bilden können. Für 4 Schweinchen füttern wir eine Menge von ca. 2 Esslöffel pro Tag. Dieses Futter wird noch gestreckt mit getrocknetem Gemüse.
Frischfutter brauchen Meerscheinchen jeden Tag. Fenchel, Möhren, Feldsalat, Gurken, Sellerie in jeder Form, Tomaten, rote Beete, selten mal das Grün der Möhren, selten das Grün von Radieschen, Löwenzahn mit Blüten, Blätter und Wurzel, Gänseblümchen und Paprika in jeder Farbe sind bei unseren Meerschweinchen sehr beliebt.
Auch der Garten bietet viel Abwechslung für die Tiere. Giersch wächst im Unterholz und im Gebüsch vieler Gärten und Anlagen. Man erkennt Giersch an dem nicht rundem sondern dreieckigem Stiel.
Topinambur ist eine Pflanze, die Mitte bis Ende des Sommer anfängt gelb zu blühen. Sie hat eine rauhe Blattoberfläche und die Blüten sehen aus wie kleine Sonnenblumen. Von dieser Pflanze kann man alles geben. Von der Blüte bis zur Knolle.
Frisches Gras ist ab Frühjahr auch sehr beliebt bei den Tieren.
Jedes Frischfutter sollte man aber langsam „anfüttern“, damit die Tiere kein Durchfall bekommen.
Heu sollte aber immer Grundnahrungsmittel Nr. 1 bei Meerschweinchen sein. Heu ist für den Zahnabrieb und für die Verdauung wichtig. Frisches Heu sollte immer im Käfig vorhanden sein.
Frische Zweige mit Blättern von Apfelbau, Birnbaum und Haselnuss mögen Meerschweinchen sehr gerne und fördern den Zahnabrieb. Da Meerschweinchen wurzellose Zähne haben, die immer nachwachsen, ist der Abrieb der Zähne wichtig. Getrocknetes Brot gehört in keinen Meerschweinchenmagen. Es ist ein Trugschluss, wenn man meint, dass Brot den Zahnabrieb fördert. Der getrocknete Teig wird so schnell matschig im Maul des Tieres, dass ein Zahnabrieb unmöglich ist. Brot ist für das Meerschweinchen sehr ungesund.
Frisches Wasser sollte selbstverständlich sein.
Das Sozialverhalten
Wie schon oft erwähnt sind Meerschweinchen Rudeltiere und dürfen nicht alleine gehalten werden. Auch wenn sie selten aufeinandergehockt kuscheln, so brauchen sie zwingend einen gleichartigen Partner. Dabei ist es egal, ob Weibchengruppe, Böckchenguppe oder eine Gruppe mit Weibchen und Kastrat. (Wichtig ist eine Kastrationsquarantäne von 6 Wochen, da der Bock bis 6 Wochen nach der Kastration noch Babies zeugen kann). Ein unklastriertes Böckchen zu Weibern setzen würde schnell Folgen haben. Denn Weibchen werden alle 14 Tage brünstig. Ein aktives Böckchen würde es in dieser Zeit besteigen und ca. 10 Wochen später würden 1-5 Meerscheinchenbabies das Licht der Welt erblicken. Sofort nach der Geburt kann das Muttertier wieder gedeckt werden. Meerschweinchen kommen „fertig“ auf die Welt und sind schon sehr früh geschlechtsreif.
Böckchen sollte man demnach bei einem Gewicht von 250 Gramm von der Mutter trennen. Gut wäre, wenn sie von einem erwachsenen Böckchen dann das Sozialverhalten noch lernen dürfen. Die Weibchen dürfen oder sollten noch länger bei der Mutter sein. Auch wenn sie keine Milch mehr brauchen, so lernen sie noch sehr viel von der Mutter.
Auch wenn Meerschweinchen die Geselligkeit ihrer Artgenossen brauchen, sollte man im Bau/Käfig immer für jedes Schweinchen mindestens eine Rückzugsmöglichkeit haben.
In einer Meerschweinchengruppe ist immer einer der Boss. Dabei kommt es nicht drauf an, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist. Bei uns in der Gruppe (3 Weibchen 1 Kastrat) ist ein Weibchen der Boss.
Die Vergesellschaftung eines neuen Meerschweinchens in der Gruppe sollte auf neutralem Boden sein. Erst wenn sie sich auf neutralem Boden mit Rückzugsmöglichkeit gut verstehen, kann man die Gruppe dann in den gut gereinigten und mit neuen Gegenständen ausgestatteten Bau lassen.
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